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Er schlägt mit dem Dirigentenstab auf den Notenständer. Wieder und immer wieder. Nein, er ist nicht wütend. Er ist ganz einfach temperamentvoll und ein Perfektionist. Vor allem aber ist er Dirigent der MG Seengen. Und das schon bereits seit 20 Jahren. Jetzt leitet er eine der letzten Proben vor dem Jahreskonzert. 

(tmo.) – Gut: Wer kennt ihn nicht? Der Name Albin Stöckli ist ganz einfach ein Begriff, seine engagierten Auftritte anlässlich der Jahreskonzerte als Dirigent legendär. Stöckli ist Dirigent mit Leib und Seele oder anders gesagt: vom Scheitel bis zur Sohle und er hat der MG Seengen ein Gesicht gegeben. Nein, es ist keine Verbissenheit im Spiel, wenn er die Musikantinnen und Musikanten zu Höchstleistungen antreibt. Vielmehr ist es der bereits erwähnte Perfektionismus, welchen er den Mitgliedern einpauken will.

Das geschieht dann und wann auch mit träfen Kommentaren. «Spielt wenigstens laut, damit ich höre, wenns falsch ist» oder «das tönt ja wie eine Autohupe, aber eine sehr alte». «Die Musiker kennen mich und wissen wie meine Sprüche gemeint sind», sagt Stöckli. Das gilt auch dann, wenn er klar macht, das er keine «Wursttöne» hören möchte. Es ist aber nicht so, dass er nur sagt, was ihm noch nicht passt, sondern auch zeigt, wie man sein gefordertes Ziel erreicht. «Übernimm du einmal», sagt er zu Bruno Hauri und übergibt ihm den Dirigentenstab. «Das ist übrigens der Vizedirigent», wie er mir erklärt und zur Trompete greift, um gemeinsam mit dem Cornet-Register an einer heiklen Passage der «Trompeten Polka» zu feilen. «Wir müssen uns noch ein wenig finden», wie er zum Abschluss dieser Sonderprobe sagt. Niemand zweifelt daran, dass sie sich bis zu Stöcklis 20. Jahreskonzert vom 16. und 17. Januar 2015 nicht gefunden haben und dass dann alles sitzt.

Die Konzertbesucher dürfen sich freuen, kommen sie doch in den Genuss der besten Stücke aus den letzten 19 Konzerten. Mit im grossen «Orchester» wird auch der Musikernachwuchs spielen – also Musikschüler, welche das Blasmusikerhandwerk von der Pike auf bei Albin Stöckli erlernt haben. Zu ihnen zählt unter vielen anderen auch der heutige Präsident Ruedi Hauser. «Ab der driten Klasse durfte ich das Trompetenspielen bei Albin erlernen», wie er erzählt. Schüler Hauser hat Lehrer Stöcklin als lustige und motivierende Person kennengelernt. Ein Lehrer aber auch, der kein Blatt vor den Mund nahm und klipp und klar gesagt hat, wenn etwas falsch war. Übrigens waren 13 Musikanten oder 50 Prozent der MG bei Stöcklin im Instrumentalunterricht. Nach seinem 20. Jahreskonzert gibt Stöckli den Dirigentenstab in die Hände seines Nachfolgers Markus Wismer aus Rotkreuz. «Eine Blutauffrischung und ein neuer Wind schaden nicht», ist Stöckli überzeugt und gleichzeitig auch dankbar für die schöne Zeit, die er mit der MG Seengen erleben durfte.

 

Bericht aus dem Dorfheftli